Bibliotheca Theresiana
Die im Jahr 1749 errichtete Barockbibliothek zählt unumstritten zu den schönsten historischen Räumlichkeiten der Theresianischen Akademie. Die Räume verströmen den Charme von jahrhundertealtem Wissens und beherbergen Zeitzeugnisse aus vergangenen Epochen.
Auf etwa 300 m² Fläche erstreckt sich die Bibliotheca Theresiana in insgesamt vier Sälen. Den Grundstock bildete die sogenannte Garellische Bibliothek, die auf den Leibarzt Kaiser Karls VI. und späteren Hofbibliothekar, Pius Nikolaus Garelli (1670-1739), zurückgeht. Knapp 10.000 Bände umfasste die Schenkung, die 1749 die Bücherregale füllte, jedoch bereits 35 Jahre später, veranlasst durch Kaiser Joseph II, an die deutsche Universtät Lemberg abgegeben wurde. Erst nach der Wiedereröffnung der k. k. Theresianischen Ritterakademie im Jahr 1797 durch Kaiser Franz II. formte sich der Bestand der fortan genannten Bibliotheca Theresiana in seiner heutigen Zusammensetzung.
Heutiger Bibliotheksbestand:
- etwa 47.000 Drucke des 16. bis frühen 20. Jahrhunderts
- 95 Handschriften
- 4 Inkunabeln (Drucke vor 1500 erschienen)
- 21 Papyrusfragmente
- eine numismatische Sammlung
- eine Grafik- und Kartensammlung
- Daniel Lipperts Daktyliothek
Darüber hinaus bietet die Bibliothek zwei altägyptischen humanen Mumien sowie einem Mumienkrokodil die letzte Ruhestätte.
Die Bibliotheca Theresiana ist eine reine Präsenzbibliothek und wird aus konservatorischen Gründen ausschließlich im Rahmen von Sonderführungen sowie für wissenschaftliche Forschungszwecke zugänglich gemacht. Die Geschichte der Bibliotheca Theresiana - von ihren Anfängen bis in die Gegenwart - wurde von unserer Bibliothekarin, Mag.ª Katharina Bočkayová erstellt und kann hier im Detail nachgelesen werden.
Bibliotheksgeschichte
1. November 1797: Die Geburtsstunde der Bibliotheca Theresiana
Mit der Wiedereröffnung der k. k. Theresianischen Ritterakademie am 1. November 1797 mussten die Bibliotheksregale von Grund auf neu eingerichtet werden. Die damalige Leitung bemühte sich bei der Gründung der neuen Bibliothek solche Werke anzuschaffen, welche den Bedürfnissen einer Lehranstalt entsprachen.
Auf Anordnung Kaiser Franz I. erhielt die Theresianische Akademie zunächst 6300 Duplikate aus der k. k. Universitätsbibliothek. Einen weiteren großen Zuwachs bildeten 5000 Bände aus dem aufgelösten Benediktinerstift Mondsee, 4200 Bände aus dem aufgelösten Karmeliterkloster auf der Laimgrube zu Wien, 3700 aus dem Nachlass des Probstes und Bibliothekars von Maria Taferl Adalbert Blumenschein, 4000 Bände aus der Privatsammlung des Bibliothekars Josef Ritter von Sartori (Bibliotheksleiter 1797-1812), 3000 Bände aus der Privatsammlung von Franz Herbitz (Bibliothekskustos 1798-1817) und eine Auswahl an 800 Bänden aus dem Nachlass der gräflich Deblinischen Bibliothek. Durch Ankauf fehlender Abhandlungen und Memoiren der Akademien sowie einiger Enzyklopädien gelangten weitere 3000 Bände in den Bibliotheksbestand. Die nun aus ca. 27.000 Bänden bestehende Bibliothek erhielt durch diese vielfältigen Sammlungen zahlreiche Duplikate, insbesondere theologische Schriften, welche auf dem Tauschweg durch philologische und klassische Werke ersetzt wurden.
Die Bücher wurden systematisch nach Sachgebieten geordnet – im Leseraum wurden neben Handschriften und Inkunabeln theologische und kirchenrechtliche Werke untergebracht, im großen Bibliothekssaal die Wissensgebiete Philosophie, Kirchengeschichte, Geschichte, Kosmographie und Jurisprudenz, der dritte Raum enthielt philologische Werke, der vierte Schöne Wissenschaften und die Kataloge der Bibliothek.
1798 konnte die neuerrichtete Bibliotheca Caesarea Regia Academia Theresiana den Zöglingen, dem Lehr- und Erziehungspersonal zur Verfügung gestellt werden. Sie war den Zöglingen nun täglich von 9 Uhr morgens bis 13 Uhr zugänglich. Im Jahr 1800 wurde sie offiziell eröffnet.
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Bestandszuwachs im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
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Der Bibliotheksbestand wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts fortgehend durch interne Publikationen, Ankäufe und Schenkungen erweitert. Bis 1918 erhielt die Bibliotheca Theresiana ein jährliches Budget zum Ankauf von Periodika und Werken. Mit der Umwandlung der k. k. Theresianischen Ritterakademie in das Gymnasium der k. k. Theresianischen Akademie in Wien, publizierte die Lehranstalt ab dem SJ 1850/51 jährlich einen Jahresbericht, mit konkreten Angaben zum jährlichen Bibliothekszuwachs. Parallel wurden ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Jahresberichte aus anderen österreichischen Lehranstalten und Mittelschulen des Deutschen Reichs gesammelt. Anhand einer Statistik zur Theresianischen Bibliothek aus dem Jahr 1900 lag der damalige Buchbestand bei 39.439 Bänden und 5984 Broschüren, die sogenannten Programme (historische Jahresberichte) wurden nicht explizit mitgezählt. In den nächsten 18 Jahren erhielt die Bibliotheca Theresiana ihren letzten nennenswerten Zuwachs. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns 1918 musste die Theresianische Akademie aufgrund des Prager Abkommens von 1920 einige Bücher und Archivalien an die neugegründete Tschechoslowakei abgeben, was im SJ 1925/26 erfolgte. Unter Dr. Alfred Koppitz (Bibliotheksleiter 1910-1924) wurde der gesamte Bibliotheksbestand neu katalogisiert und in vier Formaten nach numerus currens mechanisch aufgestellt. Im 1922 fertigerstellten Bestandskatalog erfahren wir die endgültige Gesamtzahl des Bestands – 84.070 Werke unter 27.776 Signaturen, davon 47.477 Bände und 36.593 Programme. Bis 1937 gelangten in den historischen Bibliotheksbestand nur noch Weiterbezüge von Lieferwerken, Zeitschriften und Jahrbüchern, sodass keine weiteren Signaturen hinzukamen.
Nebenbibliotheken
Im SJ 1851/52 wurde eine eigene Schülerbibliothek gegründet, die in besonderen Schränken in der Bibliotheca Theresiana aufbewahrt wurde. Neben dem jährlichen Erwerb wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Bände den hauseigenen Kabinetten und Lehrmittelsammlungen zugewiesen oder im Wege von Tausch oder Verkauf anderen Institutionen und Bibliotheken übergegeben. Im SJ 1893/1894 erhielten auch die Lehrer eine eigene Bibliothek, die unter der Verwaltung des Bibliothekars der Bibliotheca Theresiana stand, ab 1901/02 wurde sie selbstständig verwaltet. im SJ 1895/1896 wurde die bestehende Schülerbibliothek von der Verwaltung des Gymnasiums übernommen, der Buchbestand neu inventarisiert und die Bücher in zwei separate Sammlungen des Untergymnasiums und Obergymnasiums verteilt. Die Obergymnasium-Bibliothek befand sich in einem gemeinsamen Schrank mit den Werken des geographischen Kabinetts, der neue Standort der untergymnasialen Sammlung ist momentan nicht erschlossen. Im SJ 1897/1898 wurde zusätzlich eine ungarische Schülerbibliothek aus dem ursprünglichen Bestand der Bibliotheca Theresiana mit 272 Bänden eingerichtet. Der Umfang der Nebenbibliotheken betrug vor dem 2. Weltkrieg etwa 1700 Bände aus der Lehrerbibliothek, 4246 Bände aus der Schülerbibliothek und 1648 Bände aus der ungarischen Schülerbibliothek.
Die Bibliothek unter nationalsozialistischer und sowjetischer Besatzung
Im Zuge der Verstaatlichung der Theresianischen Akademie durch die Nationalsozialisten wurde das Theresianum im Schuljahr 1938/1939 zunächst in eine Staatserziehungsanstalt für Knaben umgewandelt und im März 1939 in eine nationalpolitische Erziehungsanstalt überführt. Das Stiftungseigentum unterlag ab dem 1. September 1938 unter alleiniger Verwaltung des Reichs und blieb als Sondervermögen unter der Bezeichnung Stiftung Theresianum anerkannt. Der Bibliotheksbestand blieb formal Stiftungseigentum. Im Oktober 1944 wurde der historische Buchbestand, sowie Teile der Lehrer- und Schülerbibliothek aus Bergungsgründen an die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Göttweig (einst Benediktinerstift) gebracht. In der zehnjährigen russischen Besatzungszeit (1945-1955) wurde der große leerstehende Bibliothekssaal als Verkaufslokal verwendet, wodurch ein wesentlicher Teil der historischen Einrichtung entfernt und stark beschädigt worden ist. An seiner Stelle wurden Geschäftsregale eingebaut.
1946 besichtigte der Kurator der Theresianischen Akademie Paul Scapinelli (Kurator 1946-1966) das Benediktinerstift Göttweig und stellte die schlechten Lagerbedingungen fest – die Bücher waren teils noch verpackt, teils meterhoch in einem feuchten Parterre gestapelt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg im stark beschädigten Theresianum weder ein geeigneter Platz für die Sammlung vorhanden war, noch das Bundesdenkmalamt trockenen Räume bereitstellen konnte, war eine Rückführung der Bibliotheca Theresiana nicht möglich. Im Mai 1948 gelang es zumindest den Standort vom Sommerrefektorium in den abschließbaren Archivtrakt des Stifts zu verlegen, die Handschriften und Inkunabeln wurden in einen gesondertem verschließbaren Kasten untergebracht.
Rückführung, Neuordnung und Instandsetzung der Bibliotheca Theresiana
Nach dem Rückzug der russischen Besatzungstruppen 1955 leitete das Denkmalschutzamt die Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk der Bibliotheksräume und ihres Mobiliars ein. Fehlende oder stark beschädigte Regale, Kanten, Fachleisten, Türen für Untereile und
dekorative Elemente wurden in den nächsten Jahren bis 1959 restauriert oder ersetzt. Zwischen April und Mai 1957 erfolgte der Rücktransport der Bibliothek aus Göttweig.
Die Ordnung und Neuaufstellung der Bücher erwies sich als ein zeitaufwändiges Projekt, das erst mit Juni 1965 durch Otto Vogels (Bibliotheksleiter 1959-1965) Verdienste abgeschlossen werden konnte. Gegenüber dem Bestand aus dem Jahr 1937 erwies sich ein Verlust von 1142 Büchern, ebenso fehlten die 36.593 historischen Jahresberichte, die gesamte ungarische Bibliothek sowie etwa 680 Bände der Lehrerbibliothek und 2569 Bände der Schülerbibliothek.
1964 wurde auf Veranlassung des Kuratoriums der vierte Bibliotheksraum mit neuen Kästen und Holzregalen eingerichtet, um mehr Stellraum in der Bibliothek zu schaffen.
Die Sichtung der überlieferten Lehrer- und Schülerbibliothek übernahm Vogels Nachfolger Ludwig Igálffy-Igály (Bibliotheksleiter 1965-1983) direkt nach seinem Eintritt 1965. Er sortierte einige brauchbare Werke für die neu errichteten Handbibliotheken aus, die für pädagogische und Unterrichtszwecke bestimmt waren und wählte geeignete Exemplare zum Verkauf oder Umtausch. Die restlichen Altbestände stellte Igálffy-Igály in der Bibliotheca Theresiana auf und integrierte zudem die ehemalige Studienbibliothek der Juristenkamerate und Dublettensammlung in den historischen Bibliotheksbestand.
Im Sommer 1966 wurde die Stuckaturdecke des 1. und 2. Bibliothekssaales restauriert. Anschließend stellte das Bundesmobiliendepot drei Messingluster für den Hauptsaal und einen für den dritten Bibliotheksraum als Leihgabe zur Verfügung. Zudem wurde der Boden im 1., 3. und 4. Bibliotheksraum mit Eichenparkett gelegt.
Im Herbst 1967 konnte die Bibliotheca Theresiana schließlich feierlich wiedereröffnet werden.
Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit
Ab 1968 wurde der von Koppitz angelegte Bestandskatalog mit einem 7. Bandkatalog fortgesetzt, sodass bis Ende des 20. Jahrhundert der Bibliotheksbestand mittels Buchschenkungen und Ankäufen v. A. zeitgenössischer Werke auf 31.412 Signaturen erweitert wurde. Der nachträgliche Erwerb wurde nicht mehr verzeichnet und diente den Bibliothekaren als Handapparat.
Im Sommer 1971 wurden erneut Restaurierungsarbeiten in der Bibliothek vorgenommen. Im großen Hauptsaal wurde die Stuckaturdecke vom Architekten Erich Schlöss vervollständigt und mit zwei fehlenden allegorischen Eckornamenten ergänzt. Im dritten Bibliotheksraum wurden die fehlenden Schnitzarbeiten an den Balustraden durchgeführt. Im Laufe der 1970er Jahre wurden anstelle der ursprünglichen Humanistenportraits im Hauptsaal hellblaue handbemalte Medaillons mit sechs fiktiven Aufschriften zu Sachgebieten angefertigt, die nur eine symbolische Funktion erfüllen, da der Bestand nach numerus currens aufgestellt ist.
1994 entstand die heutige moderne Zentrale Schulbibliothek (ZSB). Aufbauend auf der seit 1957 geführten Unter- und Oberstufenbibliothek, wurde sie um zeitgenössische Werke der Kinder- und Jugendliteratur, nützliche Fachliteratur und Zeitschriften erweitert. Die Räume der ZSB erlitten im Jahr 2021 einen Wasserschaden. Die zum Teil geretteten Werke der Unter- und Oberstufenbibliothek gelangten in die Bibliotheca Theresiana und sind ab Ende 2023 gemeinsam mit den Restbeständen der NAPOLA-Bibliothek, Gymnasialbibliothek und Juristenbibliothek im 1. Bibliothekssaal aufgestellt. 2024 kamen die historischen Drucke der modernen Lehrerbibliothek dazu.
Seit 2025 laufen Projekte zur Digitalisierung und Katalogisierung der Handschriften und der numismatischen Sammlung. Parallel dazu wird der Bibliothekbestand durch die derzeitige Bibliothekarin Mag.ª Katharina Bočkayová fachlich betreut und wissenschaftlich erfasst.
Sammlungen
Die Handschriftensammlung der Bibliotheca Theresiana kam nach der Wiedererrichtung der Theresianischen Bibliothek 1797 aus verschiedenen aufgelösten Klosterbibliotheken und Donationen zustande. Im heute einzigen erhaltenen Handschriftenverzeichnis aus den 1860er Jahren von Ignaz Hradil (Bibliotheksleiter 1853-1870) werden insgesamt 128 Codices namentlich erwähnt und nachträglich mit sieben weiteren Einträgen ergänzt.
1925 musste das Theresianum einige Bücher und Archivalien der Tschechoslowakei abtreten, darunter auch die wertvolle Handschrift Grammatica česka von Jan Blahoslav aus dem Jahr 1571. Diese befindet sich seitdem in der Mährischen Landesbibliothek.
Im 2. Weltkrieg befanden sich die Handschriften in einem verschlossenen eisernen Kasten. Im Oktober 1944 wurde der gesamte Bibliothekbestands nach Göttweig verlegt und erst im Jahr 1957 zurückdeponiert. Aus einer Inventarliste aus dem Jahr 1960 geht hervor, dass insgesamt 95 Handschriften in die Bibliotheca Theresiana zurücktransportiert worden sind. Die heutige Handschriftensammlung der Bibliotheca Theresiana besteht aus 50 spätmittelalterlichen Codices und 45 neuzeitlichen Manuskripten in Folio, Quart und Oktav Format. Die Mehrheit bilden Sammelhandschriften theologischen Inhalts; vereinzelt enthält die Sammlung auch medizinische, geographische, historiographische, astronomische und mathematische Schriften sowie eine Musikhandschrift und ein Kochbuch.
Ab Mai 1974 wurden die Handschriften im Rahmen der wissenschaftlichen Erschließung der österreichischen Handschriftenbestände von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erfasst. Im Zuge dessen wurden 51 Handschriften von der Österreichischen Nationalbibliothek mikroverfilmt. Eine Übersicht dieser Aufnahmen ist über den folgenden Link Theresianische Akademie. Bibliothek: HMML Repository abrufbar. Bis in die frühen 1980er Jahre erfolgte die Bestandsaufnahme der theresianischen Handschriftensammlung. Die entsprechenden Katalogisate sind über manuscripta.at zugänglich.
Zum historischen Buchbestand der Bibliotheca Theresiana zählte einst eine beachtliche Sammlung an Inkunabeln, die mehr als 300 Bände enthielt. Bereits in der ersten Phase der Bibliotheksgeschichte erwähnte Michael Denis (Bibliotheksleiter 1773-1784) in seinen Merkwürdigkeiten der öffentl. Bibliothek am Theresiano 133 Wiegendrucke. Diese wurden nach der Auflösung der k. k. Theresianisch-Savoyischen Ritterakademie 1784 gemeinsam mit den Handschriften und Drucken nach Lemberg bestimmt und kehrten nach der Wiedererrichtung des Theresianums 1797 nicht mehr zurück.
In der neugegründeten Bibliotheca Theresiana wurden ab 1797 mehrere Inkunabeln in den neuen Buchbestand aufgenommen. Ein Verzeichnis von insgesamt 224 Wiegendrucken, die zwischen 1469 und 1500 erschienen sind, wird in Joseph Ritter von Sartoris (Bibliotheksleiter 1897-1812) ersten Katalogband Catalogus Bibliographicus Librorum In Bibliotheca Caes. Reg. Et Equestris Academiae Theresianae Extantium 1801 angegeben. Die meisten Wiegendrucke stammten hierbei aus der aufgelösten Stiftsbibliothek Mondsee. Im zweiten Katalogband aus dem Jahr 1802 werden Ergänzungen aus den Jahren 1465-1500 beigefügt, sodass die Gesamtzahl bei 285 Werken lag, darunter 26 Wiegendrucke ohne Erscheinungsjahr, die Sartori aufgrund anderer Merkmale als Inkunabeln identifizieren konnte. Der Zuwachs an Wiegendrucken nahm in den nächsten Jahrzehnten ab. In Ignaz Hradils (Bibliotheksleiter1853-1870) Inkunabelverzeichnis Incunabula usque ad annum 1500 finden 296 Wiegendrucke (in 334 Bänden) eine namentliche Erwähnung.
1898 wurden 503 Inkunabeln und Drucke des 16. Jahrhunderts in 530 Bänden der Hofbibliothek zum Verkauf angeboten. Die Hofbibliothek kaufte 148 Bände, die restlichen 382 erwarb die Universitätsbibliothek zu Beginn des Jahres 1899. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht eindeutig, wie viele Wiegendrucke am Theresianum nach dem Verkauf verblieben, da die Gesamtsumme aller Inkunabeln aus dieser Zeit nicht bekannt ist.
Seit spätestens 1960 verbergen sich in den Regalen der Bibliotheca Theresiana vier Inkunabeln: die venezianische Inkunabel Historia Romana des griechisch-römischen Geschichtsschreibers Appian von Alexandria in lateinischer Übersetzung, gedruckt in zwei Bänden von Erhard Rathold im Jahr 1477; die einst prachtvoll illuminierte Biblia latina von Heinrich Eggestein aus dem Jahr 1469/70; der dritte Teil von Johannes Versors Quaestiones super libros Aristotelis um 1485 und die Oratio Iasonis anlässlich der zweiten Eheschließung Kaiser Maximilians I. und Blanca Maria aus dem Jahr 1494.
Näheres unter Österreichischer Inkunabelzensus der ÖNB, der internationalen Datenbank Incunabula Short Title Catalogue der British Library und Gesamtkatalog der Wiegendrucke (GW) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin.
Neben den Handschriften und Inkunabeln zählen unumstritten Frühdrucke, seltene Erstausgaben, einige kostbar dekorierte oder typographisch aufwendig gedruckte Bände zu den Rara-Beständen der Bibliotheca Theresiana. Nicht minder wertvoll sind Drucke aus Sicht der Provenienz und Einbandforschung sowie Werke, welche in besonderer Weise die Haus- und Bibliotheksgeschichte widerspiegeln.
Die Anfänge der Theresianischen numismatischen Sammlung stehen im engen Zusammenhang mit der Person des ersten Bibliothekars Erasmus Fröhlich (Bibliotheksleiter 1748–1758). Als Leiter der Münzsammlung des Jesuitenkollegs zu Wien, ließ Fröhlich die Sammlung vom Professhaus der Jesuiten in die neuerrichtete Bibliotheca Garelliana liefern. Die Münzen bildeten gemeinsam mit einer weiteren Münzsammlung aus Pius Nikolaus Garellis Besitz den Grundstock der neuerrichteten Münzsammlung am Theresianum und fanden ihren Standort im dritten Bibliotheksraum in sechs Kästen. Fröhlich und sein Nachfolger Joseph Khell von Khellburg (1758-1773) waren neben ihrer Funktion als Bibliothekare auch geschätzte Numismatiker. Sie erweiterten die numismatische Sammlung fortgehend. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde ein Teil der Münzsammlung dem k. k. Münzkabinett übergeben. Erste genaue Angaben zum Umfang dieser Sondersammlung liefert Michael Denis (Bibliotheksleiter 1773-1784) in seiner 1780 erschienenen Schrift Die Merkwürdigkeiten der k. k. garellischen öffentl. Bibliothek am Theresiano, in der insgesamt 5123 Münzen verzeichnet sind. Den überwiegenden Teil der numismatischen Sammlung bildeten antike und mittelalterliche Münzen, etwa 600 Objekte wiederum Münzen aus dem 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Nach der Aufhebung der k. k. Theresianisch-Savoyischen Ritterakademie 1784, wurden die wertvollsten Stücke der Münzsammlung erneut dem k. k. Münzkabinett übertragen, bevor der Rest der numismatischen Sammlung gegen Ende 1784 mit dem Buchbestand in die neuerrichtete Universitätsbibliothek nach Lemberg gelangte. Sie wurde der Obhut des Bibliothekars Heinrich Gottfried Brettschneider und Prof. der Numismatik und Diplomatik Gottfried Uhlich anvertraut, welche die Sammlung vermehrten, Dubletten rausselektierten und verkauften.
Nach der Reaktivierung der k. k. Theresianischen Ritterakademie 1797 wurde ein neues Numophylacium im großen Bibliotheksraum aus den Beständen der Windhagischen Bibliothek sowie der Privatsammlung des Probtes von Maria Taferl Adalbert Blumenschein errichtet. Aus inhaltlicher Sicht handelte es sich um römische und griechische Münzen, österreichische Münzen und Münzen anderer europäischer Staaten sowie Medaillen und Pfennige. Diese Sammlung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Schenkungen und Ankäufe ebenfalls erweitert und in einem einzelnen Münzkasten in 400 Laden aufbewahrt. Die Anzahl betrug etwa 11.500 Stück.
Im SJ 1892/93 wurde die numismatische Sammlung in das neugegründete Archäologische Kabinett der Theresianischen Akademie verlegt. Bei dieser Gelegenheit sichtete und katalogisierte der Kustos Franz Prix (Wirkzeit am Theresianum 1887-1912) die Sammlung und ließ die für den Schulunterricht unbrauchbaren Objekte entfernen und Duplikate umtauschen. Bereits im folgenden Jahr wurde sie als eigenständige Lehrmittelsammlung betrachtet. Der Zuwachs der Münzsammlung lässt sich in den historischen Jahresberichten bis 1926 verfolgen. Gegen Kriegsende wurden etliche Sammlungen des Theresianums an verschiedene Standorte in Wien untergebracht, um sie vor den Luftangriffen zu schützen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein ähnliches Schicksal auch die Münzsammlung erfuhr.
In der Nachkriegszeit wurden etwa 20 kg verschmutzte und beschädigte Münzen und Medaillen in zwei kleinen Kisten aus der ehemaligen Sammlung gefunden, die Goldenen davon waren allerdings verschollen. Aus einem Gutachten der Bundessammlung von Medaillen, Münzen und Geldzeichen vom 30. August 1954 geht hervor, dass ein Teil der Münzsammlung in der russischen Besatzungszeit beim Kurator Paul Scapinelli (Kurator 1946-1966) untergebracht worden war.
Nach der Wiedereröffnung des Theresianums 1957 wurde die Sammlung in die Favoritenstraße zurückgeführt, wo sie zunächst in einem prunkvoll intarsierten Kasten im Geographischen Kabinett als Hilfsmittel für den historischen Unterricht diente. Der ehemalige Zögling Dr. Hans Temple (Maturajahrgang 1910) vollzog nach der Sichtung aller erhaltenen Objekte eine Auswahl von etwa 700 brauchbaren Stücken. Auch hier wurden Duplikate umgetauscht und neue Objekte erworben oder durch Spenden seiner Kameraden aus der Vereinigung der ehemaligen Theresianisten ergänzt. Die Anzahl der Münzen und Medaillen konnte in den folgenden Jahren auf 2800 Stück heranwachsen. Temple wirkte bis zu seinem Tod 1964 an der Vermehrung, Bestimmung und Ordnung der Sammlung. Nach dr Fertigstellung der Bibliotheca Theresiana 1965 wechselte die Münzsammlung erneut ihren Standort – in den ersten Bibliotheksraum und erfuhr einen Zuwachs bis in die 1980er Jahre. Heute besteht die numismatische Sammlung aus rund 3500 Münzen, Medaillen und Plaketten.
1996 wurde die Sammlung bei der Gelegenheit des 250-jährigen Gründungsjubiläums des Theresianums professionell vom Numismatiker Dr. Wolfgang Szaivert gesichtet und fachlich katalogisiert. Aus seiner Publikation Merkwürdigkeiten aus der Garellischen Bibliothek. Ein Nachtrag im Jubiläumsjahr 1996 geht hervor, dass sich die Herkunft der heutigen Sammlung
nicht eindeutig rekonstruieren lässt. Die Mehrheit der Stücke stammt womöglich aus dem Wiener Handel, während sich die Restbestände der historischen Sammlung kaum identifizieren lassen, da ein historischer Katalog zum Vergleich fehlt. Dieses Projekt wurde im Juni 2025 erneut aufgegriffen. Derweilen wird die Sammlung bestimmt, retrokatalogisiert und digitalisiert. Abschließend soll sie in ihren ursprünglichen Münzkasten im ersten Bibliotheksraum zurückgeführt und nach numismatischen Ordnungskriterien eingelegt werden.
Die grafische Sammlung der Bibliotheca Theresiana enthält Kupferstiche, Lithographien, Radierungen, Zeichnungen, Gemälde und historische Fotografien, die derweilen noch nicht vollständig gesichtet und erschlossen worden sind, sodass eine genaue Anzahl dieser Objekte nicht angegeben werden kann. Auch ist die Überlieferung sowie der Zeitpunkt der Aufnahme dieser Objekte nicht in jedem Fall eindeutig bestimmbar, da historische Katalog- oder Inventarverzeichnisse nicht erhalten geblieben sind. Aus der Gesamtstatistik der Bibliothek 1869 erfahren wir, dass zu diesem Zeitpunkt 446 Kupferstiche und 199 Zeichnungen im Bibliotheksbestand vorhanden waren.
Nähere Angaben zur grafischen Sammlung lassen sich derweilen im Zusammenhang mit der Fotomediathek schließen. Diese enthält einerseits zwei historische Fotoalben aus den Jahren 1882 und 1885, die vom französischen Fotografen Jules David stammen und Gruppenbilder der Vorstände, Lehrkräfte, Präfekten, Bediensteten und Klassenbilder zeigen. In der zweiten Hälfte dieser Alben finden sich zudem wertvolle Aufnahmen der historischen Räumlichkeiten sowie der äußeren Bereiche der ehemaligen Favorita. Eine weitere fotografische Sammlung ehemaliger Zöglinge und Lehrkräfte wurde mit Beginn des Schuljahres 1914/1915 von Dr. Alfred Koppitz (Bibliotheksleiter 1910-1924) initiiert. Die Fotomediathek wuchs bis 1938 auf 700 Einzel- und Gruppenbilder und enthielt Fotografien ab 1865. Nach der Wiedererrichtung des Realgymnasiums der Theresianischen Akademie 1957 wurden einige Verluste aus dieser Sammlung festgestellt. Im historischen Archiv der Stiftung Theresianische Akademie befinden sich zudem jüngere Fotografien ab 1957 bis zur Gegenwart.
Unter den Geographica der Bibliotheca Theresiana befinden sich heutzutage historische Landkarten und Pläne, Atlanten, Globen und Ansichten, ferner kosmographische, topographische und geographische Werke, die nach der Wiedererrichtung der k. k. Therersianischen Ritterakademie 1797 durch Schenkungen, Übertragungen und Neuanschaffungen in den Bestand der Bibliotheca Theresiana gelangten.
Im Schuljahr 1878/79 wurde eine eigenständige Lehrmittelsammlung für die Unterrichtsgegenstände Geographie und Geschichte gegründet, die zunächst mit einer jährlichen Dotation von 300 Floren, ab 1882/83 mit 100 Floren gefördert wurde. Nach der Gründung des Archäologischen Kabinetts 1893 wurden die historischen Lehrmittel für Geschichte in dieses überführt, während im nächsten Schuljahr ein eigenes Geographisches Kabinett mit einer Handbibliothek eingerichtet worden ist.
In den 1930er Jahren bis zur Auflösung des Theresianums 1938 wurde die Sammlung erneut mit Geschichte vereint und als Erdkundlich-geschichtliche Sammlung weitergeführt. Heute bilden die überlieferten historischen Lehrmittelsammlungen einen Teilbestand der Kartensammlung der Bibliotheca Theresiana.
Eine Besonderheit des Bibliotheksbestands stellt die Daktyliothek von Philipp Daniel Lippert dar. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Neuausgabe aus dem Jahr 1767. Die Daktyliothek besteht aus ca. 2000 Gipsabdrücke antiker Gemmen bedeutsamer altgriechischer und römischer Schriftsteller, Philosophen, Götter, Helden und anderer mythologischer Figuren. Daktyliotheken dienten als beliebtest und modernes Anschauungsmittel in der Zeit der Aufklärung. Am Theresianum wurde sie direkt in der Bibliothek für den freien Gegenstand Daktyliographie eingesetzt. Sie wurde nach der Auflösung der k. k. Theresianisch-Savoyischen Akademie 1783 nicht nach Lemberg transportiert und zählte nach der Wiedererrichtung 1797 als Bestandteil der numismatischen Sammlung. Ignaz Hradil (Bibliotheksleiter 1853-1870) berichtet, dass sie neben den Münzen und Medaillen in zwei Laden im Münzkasten aufbewahrt wurde.
Nach der Gründung des Archäologischen Kabinetts 1893 wurde Lipperts Daktyliothek in diese Sammlung aufgenommen. Darüber hinaus wurde dem Kabinett eine Auswahl an Gipsabdrücken antiker Gestalten und mythologischer Figuren aus dem k. k. Kunsthistorischen Museum einverleibt und eine Bestellung durch den Finanzminister Dr. Steinbach aus dem Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei gespendet. Diese Abgüsse befinden sich heutzutage im historischen Archiv der Stiftung Theresianischen Akademie; Lipperts Daktyliothek ist in der Zeit vom 2. Weltkrieg und der russischen Besatzung mit höchster Wahrscheinlichkeit außerhalb des Theresianums aufbewahrt gewesen, was ihr Verluste und Schäden der einzelnen Objekte zugefügt hat. Die beschädigten Holzladen wurden im Schuljahr 1968/1969 vom akademischen Bildhauer Prof. Hugo Ertl restauriert, während die Buchbinderei der Österreichischen Nationalbibliotek die beiden Buchkasetten mit grünem Kunstleder neu bezog. Heutzutage befindet sich die Daktyliothek in der Bibliotheca Theresiana, mit jeweils 21 Laden und insgesamt 2100 Objekten.
Am Heiligabend 1892 wurde durch Erlass des Kuratoriums das Archäologische Kabinett am Theresianum gegründet, eine kleine Schatzkammer der Antike, die über die nächsten Jahrzehnte bis 1936 durch zahlreiche Antiquitäten Bereicherung fand. Von Beginn an dienten die Objekte als Anschauungsmittel im Geschichtsunterricht und sollten auch als Unterstützung für klassische Sprachen, insbesondere als bildliche Ergänzung der klassischen Lektüre, eingesetzt werden. Hierfür besaß das Theresianum auch ein eigenes Skioptikon, um mithilfe von lehrreichen Fotografien antike Monumente, Kunstwerke und archäologische Fundstücke visuell darzustellen.